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Die therapeutischen Etappen 2018-02-19T15:21:45+00:00

Die therapeutischen Etappen

Das Zutrauen von Straßenkindern zu gewinnen, erfordert viel Erfahrung und Feingefühl. Die erfolgreiche Integration in ein Kinderdorf kann nur dann erfolgen, wenn das Kind kooperiert. Wir nehmen jedes Kind mit seinem persönlichen Schicksal als individuelle Persönlichkeit wahr. Für den Weg in ein selbstbestimmtes Leben haben wir jedoch einen „Fahrplan“, nach dem wir uns orientieren, an dem wir uns anhalten: die therapeutischen Etappen.

1. Etappe: Street Work

Der erste Schritt beginnt zumeist mit der Arbeit auf der Straße. SozialarbeiterInnen suchen den Kontakt zu den dort lebenden Kindern und gewinnen mit viel Einfühlungsvermögen, Kreativität und psychologischer Arbeit ihr Vertrauen. Es werden Treffen vereinbart, bei denen gemeinsam gegessen, gespielt und geredet wird – über das Leben auf der Straße, über die Familie und die oft sehr schlimme Vergangenheit. Mit viel Geduld zeigen wir den Kindern Alternativen zum Leben auf der Straße auf und vermitteln ihnen das Gefühl, dass sie nicht auf sich allein gestellt sind.

Erste Schritte

Eine der wichtigsten Hilfestellungen auf der Straße ist die Begleitung der Kinder und Jugendlichen bei Amtsgängen. In den meisten Fällen haben Straßenkinder keine offiziellen Dokumente, oft nicht inemal eine Geburtsurkunde. So können sie ihre einfachsten Rechte nicht einfordern – wie zum Beispiel das Recht auf Schulbildung.

Sobald das Kind aus freien Stücken entscheidet, dass es dem Leben auf der Straße den Rücken kehren möchte, kommt es in die zweite Etappe.

2. Etappe: Stabilisierung

Die zweite Etappe sind Aufnahmehäuser direkt in der Stadt. ALALAY arbeitet hier mit dem Prinzip der „Offenen Türen“ – das Kind wird nicht zum Bleiben gezwungen, da vor allem die selbstständige Entscheidung darüber bestimmt, ob eine langfristige Veränderung im Leben des Kindes stattfinden kann. Viele der Kinder erleben zum ersten Mal einen Alltag nach bestimmten Regeln und Strukturen. Viele haben damit anfangs Schwierigkeiten. Für ein Leben fernab der Straße ist das Einhalten von Regeln natürlich unumgänglich. Ein umfassendes therapeutisches Konzept sowie ein liebevoller Umgang unterstützen die Kinder in dieser oft harten Anfangszeit und bekräftigen sie, bei ihrer Entscheidung zu bleiben.

Der Weg in ein neues Leben

Die Dauer der 2. Etappe ist sehr individuell. Dabei lernen die Kinder einen neuen Umgang mit sich selbst, anderen Kindern und Erwachsenen. Themenbereiche wie Selbstwertgefühl, Rechte und Pflichten, Kommunikation, Körperpflege, Sexualität und Gewalt werden in verschiedenen Settings bearbeitet. In den meisten Fällen sind die Kinder nach ca. einem Jahr bereit, in das Kinderdorf und somit die dritte Etappe einzuziehen.

3. Etappe: Kinderdorf

In der dritten Etappe leben Kinder in kleinen, familienähnlichen Gruppen – sogenannten „Cabañas“ – zusammen, die nach Alter und Geschlecht getrennt werden. Die Kinderdörfer (in La Paz und Santa Cruz) befinden sich etwa 45-60 Minuten Busfahrt vom Stadtzentrum entfernt, um den Reiz der Straße so klein wie möglich zu halten. Betreut werden die einzelnen Cabañas durch jeweils eine/n ErzieherIn, der/die eine ganze Woche bei den Kindern lebt und in der darauffolgenden Woche durch eine/n zweite/n ErzieherIn abgelöst wird. Unterstützt werden sie dabei sehr oft von VolontärInnen, z. B. aus Österreich.

Das Leben lernen

Therapiesitzungen sowie Treffen mit den Eltern werden von PsychologInnen und SozialarbeiterInnen organisiert, damit alte Wunden heilen und neue Beziehungen aufgebaut werden können. Die Kinder erleben einen geregelten Tagesablauf – Schule, gemeinsames Essen, Zusatzunterricht, Musikstunden, Spielen und das Erledigen häuslicher oder gemeinschaftlicher Verpflichtungen stehen auf der Tagesordnung. Ein respektvoller Umgang mit jedem anderen Kind, den ErzieherInnen und PädagogInnen ist die Basis eines gelingenden Zusammenlebens und wird den Kindern auch so vermittelt. Sobald die Kinder ihr 15. Lebensjahr erreichen, kommen sie in die vierte Etappe und damit zurück in die Stadt.

4. Etappe: Unabhängigkeit

In der vierten Etappe leben die Kinder erneut in den Aufnahmehäusern, wo sie den Neuankömmlingen Vorbilder und Stütze sind. Gleichzeitig werden ihnen aber mehr Freiheiten und Privilegien zuteil. Ziel dieser Etappe ist die Vorbereitung der Jugendlichen auf ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben. Sie erwerben ihren Schulabschluss, beginnen ihre Berufsausbildungen und werden dabei von ALALAY unterstützt und begleitet. Jedem Kind steht frei, selbst zu entscheiden, wann es sich bereit fühlt für ein Leben auf eigenen Beinen. ALALAY steht ihm dabei immer helfend zur Seite – sei es bei der Wohnungssuche, der Berufsorientierung oder einer Familiengründung.

Auch nach dem Auszug des Kindes bleibt der Kontakt zur Organisation durch Hilfestellungen, Betreuung oder Arbeit mit der Familie bestehen. Denn ganz egal, wie alt das Kind ist oder wie viele Jahre das Leben im Aufnahmehaus zurückliegt:

„Ein ALALAY Kind bleibt immer ein ALALAY Kind.“
Claudia Gonzales Moreno, ALALAY Gründerin

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